Reise- und Urlaubsartikel

Waldbrandkatastrophe im Yellowstone Nationalpark

 

Startseite

Allgemein
Reiseplanung
Reiseberichte

Afrika

Amerika

Asien

Europa

Sonstige

 

Noch drei, vier Touristengenerationen werden die von den riesigen Waldbränden des Sommers 1988 gerissenen Wunden des Yellowstone, im US-Bundesstaat Wyoming, missfallen - doch was sind hier schon 100 Jahre? Diese Natur hat andere Katastrophen überlebt, Kraft und neue Form aus ihnen gewonnen, ja, sie ist entstanden aus der Katastrophe, ist ihr Ergebnis. Vor rund 600.000 Jahren explodierte hier eine ganze Landschaft in einem gigantischen Vulkanausbruch - und schuf jenes Seengebiet, das heute die Mitte des ältesten Nationalparks der Welt markiert und schon vor 12.000 Jahren von diversen Stammesgruppen der Nördlichen Shoshonen, Absarokee, Bannock und Blackfeet durchstriffen wurde, um dort gelegentlich zu jagen und zu fischen.

Wer unvorbereitet in den ältesten Nationalpark der Welt kommt, kann dem Schock nicht entrinnen. Kein Schild, keine Tafel erklärt die gigantischen verbrannten Flächen, die als Folge der 51 Waldbrände im Jahr 1988 heute rund 45 Prozent des fast 9000 Quadratkilometer messenden Parks (so groß wie Korsika) bedecken. Keinerlei Hinweis im offiziellen Kartenblatt, das an den fünf Zufahrten jeder Besucher erhält. In der Parkzeitung wird ganzseitig vor Bären gewarnt — auf die 88er Waldbrandkatastrophe und die Ausstellung dazu im Canyon Visitor Center verweisen vier versteckte Zeilen: Yellowstone mag nicht erinnert werden, doch die Erinnerung ist allgegenwärtig.

Der Sommer 1988 war im amerikanischen Nordwesten heiß und windig und der vorausgegangene Winter zu trocken gewesen. Die extremen trockenen Bedingungen führten zu einer Austrocknung des toten Holzes, kleiner Zweige und des Grases. Auch als sich am 5. Juli etwa 2000 Blitze über dem Park entluden und die ersten drei Brände entzündeten, blieb der sonst so Feuer löschende Gewitterregen weitgehend aus. Die Blitze der "Trockenunwetter" kamen Nacht für Nacht wieder. Bis August wurden im Park 51, in den umliegenden Staatswäldern 198 Brände gezählt. 25.000 erfahrene Firefighter — von Alaska bis Florida, Maine bis Hawaii herbeigeeilt — kämpften für die Erhaltung des nationalen Denkmals Yellowstone gegen die Feuer und konnten doch nur die Hälfte der Wälder retten.

Einen Feuersommer wie 1988 hat die Parklandschaft alle 250 bis 400 Jahre erlebt, wird auf den Texttafeln der Ausstellung versichert — Feuer sei sogar gut und unerlässlich für die Verjüngung des Waldes, weil Asche den kargen Bergboden dünge, auf dem fast nur die genügsame Lodgepole-Kiefer gedeihen kann. Und es wird auf Yellowstones reichhaltige Tierwelt verwiesen, die von der Katastrophe weitgehend unbeeindruckt geblieben sei. Nur 300 von 35.000 Stück Großwild wurden getötet, meist verirrte Hirsche — für Bisons, Elche, Schwarz- und Grizzlybären Bären seien strenge Winter schwerwiegender als Feuer.

Der Wald von Yellowstone, kein Zweifel, wird wieder leben, doch es wird lange dauern. Die Zapfen junger Kiefern, die sonst erst nach 20 Jahren ihre Samen auszustreuen beginnen, haben sich im Feuer geöffnet, so dass kein Samenmangel besteht. Neues Grün auf dem Boden der verbrannten Wälder ist schon da. Wahr ist jedoch auch, dass der Boden in den Mondlandschaften, wo sich die Flammen langsamer und erdnäher voran fraßen, so heiß wurde, dass er sterilisiert ist. Und dort, wo er buchstäblich kochte — auf etwa einem Prozent der Fläche —, kann er kein Wasser mehr halten.

Dennoch steht die Verwaltung unbeirrt zur Nationalparkidee, dass die Natur sich selbst helfen muss und wird. Während in den Staatswäldern der Umgebung die verbrannten Flächen Zug um Zug abgeholzt und wieder aufgeforstet werden, bleibt in Yellowstone alles, wie die Feuer es hinterließen. Tote Bäume wurden nur gefällt, wo sie auf Straßen oder Sehenswürdigkeiten zu stürzen drohten oder Besucher gefährdeten. Kein Samen, keine Setzlinge wurden ausgebracht. Die Natur soll sich alleine helfen, menschliche Hilfe, auch wenn sie die Wunden rascher heilte, wäre künstlich.

Der Tierwelt, Reichtum Yellowstones, hat die Katastrophe nicht geschadet. Wie früher grasen Bisonherden unbeeindruckt von Autos und fotografierenden Touristen, zwischen Straße und Firehole River. Unterhalb der Fälle nehmen Elche ihr gewohntes Morgenbad im Yellowstone River. Und dessen Canyon mit den Wasserfällen und dem schwefelhaltigen, gelben Gestein, das Fluss und Park den Namen gab, ist vom Feuer ebenso unberührt geblieben wie das Becken der Geysire mit seinen etwa 10.000 heißen Quellen, Schlammtöpfen und Old Faithful, dem pünktlich Wasser und Dampf speienden, getreuesten aller Naturwunder Yellowstones.

 

Nordamerika
Reiseartikel schreiben

Sitemap  |  Reisebericht schreiben  |  Impressum