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Das Delancey Street Restaurant

 

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Union Street ist eine "feine" Straße, mit eleganten Boutiquen, Schönheitssalons und Privatvillen und einem freundlichen Gartenlokal namens "Delancey Street". Es ist in keiner Weise das, was man in dieser Umgebung erwartet – nichts als ein angenehm ruhiger Platz für Mittag- oder Abendessen zu bescheidenen Preisen. Und doch ist das Lokal einzigartig: Jeder, der hier bedient, hat Jahre seines Lebens im Gefängnis verbracht.

"Delancey Street" verdankt seine Existenz einem Mann, dessen Namen jedes Kind in San Francisco kennt: John Maher. Neun Jahre hatte er als rauschgiftsüchtiger Krimineller hinter Gittern verbracht, als er wieder einmal vor der Polizei aus New York flüchten musste. Ein Arzt versteckte ihn in einer Heilanstalt in Kalifornien. Das war nicht nur die entscheidende Wende im Leben John Mahers, sondern auch die Ursache für den Wendepunkt im Leben Tausender von Menschen in ähnlicher Situation.

Maher ließ es nicht bei der Erkenntnis bewenden, dass Gefängnisse keinen Menschen bessern können, dass entlassenen Sträflingen oft nur die Rückkehr in die Slums bleibt, die nur Brutstätte neuer Verbrechen sind. Mit Mut und Entschlossenheit ging John Maher an die Verwirklichung einer Idee: Ex-Häftlinge in eine Umgebung zu bringen, wo sie eine bürgerliche Lebensweise kennen lernen und sie sich durch gutes Beispiel selbst aneignen können. Hilfe kam von unerwarteter Seite: Mrs. Georgina Hopkins Callau, Mitglied der Geld- und Namensaristokratie San Franciscos, begeisterte sich für Mahers Projekt und wurde seine wichtigste Helferin.

Die "Delancey Street Foundation" mietete Häuser in den besten Vierteln der Stadt. Sie wurden zur Heimstätte für entlassene Häftlinge und Rauschgiftsüchtige. Mahers Stiftung macht ihnen den Start in ein bürgerliches Leben nicht leicht: Sie müssen sich auf zwei Jahre verpflichten, den Männern wird der Kopf kahl geschoren, die Frauen dürfen kein Make-up tragen. Alle müssen dreimal wöchentlich an zweieinhalbstündigen Sitzungen teilnehmen, in denen sie miteinander über ihre Abhängigkeit von Rauschmitteln und über ihre verbrecherischen Neigungen reden und sich auf diese Weise "abreagieren". Sie müssen in Haus und Küche arbeiten, niemand wird dafür bezahlt, aber allen sind Unterkunft, Verpflegung und vor allem Verständnis sicher. Sie sollen lernen, sich selbst zu helfen, persönliche Verantwortung zu übernehmen, wieder (oder endlich) bewusste Mitglieder der menschlichen Gesellschaft zu werden.

Als Lehrbeispiel dafür, was mit Geduld und gutem Willen erreichbar ist, kann ihnen die Stiftung dienen. Als sie die ersten Häuser mietete, gab es große Aufregung unter den Villenbesitzern der exklusiven Gegenden. Die Bürger, die sich plötzlich in der Nachbarschaft von Ex-Verbrechern sahen, fürchteten um Leben, Gesundheit und Besitz. Es hagelte Proteste. Vor allem dem Einsatz von Mrs. Hopkins Callau war es zu verdanken, dass Mahers Experiment fortgeführt werden konnte. Inzwischen ist die "Delancey Street Foundation" unumstritten und eine der geachtetsten sozialen Einrichtungen der Stadt.

Die "Delancy Street Foundation" gibt eine eigene Zeitung heraus, in der Exhäftlinge und Journalisten zu Wort kommen.

Besucher San Franciscos sollten am Restaurant in der Union Street nicht vorbeigehen und beim Lunch mit den freundlichen Angestellten ein paar Worte wechseln. Auch der Gast wird den ganz besonderen Geist dieses Hauses verspüren.

 

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