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Es ist kurz vor
16 Uhr und wie fast an jedem Tag liegt eine dicke, giftiggelbe Smogschicht über
Mexico City. Wie fast an jedem Tag sind die schneebedeckten Gipfel der beiden
über 5000 Meter hohen Zwillingsvulkane Popocatepetl und Ixtaccihuatl aus dem
Talkessel (2300 Meter über dem Meeresspiegel) nicht zu sehen. Eine Blechlawine
schiebt sich über die Straßen der endlos wirkenden 9-Millionen-Stadt.
Die ohnehin schon
dünne Höhenluft ist von Abgasen geschwängert — 11.000 Tonnen an jedem Tag. Das
Atmen scheint unmöglich. Die Augen brennen. Der Hals kratzt. Stopp and Go auf
der Insurgentes, der mit über 40 Kilometer längsten Stadtstraße der Welt. Sie
verläuft von Süden in Tlalpan bis in den Norden auf der Höhe des Tepeyac-Berges,
an dem die Kirche von Guadalupe steht.
Sobald die
Fahrzeuge anhalten, springen Kinder auf die Straße, jonglieren mit Bällen,
scherzen in Clownmasken oder speien Feuer. Rechtzeitig bevor die Autos wieder
anrollen, bitten die Straßenkünstler an den Fensterscheiben der Wagen um ihre
Gage. Nur eine Form der Kinderarbeit in der größten Stadt der Welt, deren
Elendsviertel in den Außenregionen täglich wachsen.
Im Schatten
mächtiger Bäume der Prachtstraße "Paseo de la Reforma" halten Mexikaner und
Touristen, die Mexico City besuchen, auf den schmiedeeisernen Bänken Siesta —
oder lassen sich die Schuhe putzen. In Reih und Glied liegen die zahlreichen
Bürsten, Cremedosen und Tücher neben dem Schuhputzer, der auf einem kleinen
Schemel zu Füßen seines Kunden hockt. Während der sich in die Lektüre einer
Zeitung vertieft, rückt der Schuhputzer den rechten Fuß zurecht. Mit einer der
Bürsten und einem der Tücher wird der gröbste Staub entfernt, mit den Fingern
eine der Cremes aufgetragen. Der linke Schuh, die gleiche Prozedur. Rückgriff
auf den rechten. Anscheinend endlos wird die Creme eingerieben und gebürstet.
Behutsam-langsam, schnell-heftig — stets sorgfältig, ohne jemals den Saum der
Hose, der nur Millimeter über dem Schuh endet, zu streifen. Mit einem
flauschigen Tuch werden die Schuhe zum Schluss auf Hochglanz poliert. Nach einer
guten Viertelstunde wechseln 2 Pesos (ca. 1 Euro) den Besitzer. Ein kurzer
Plausch noch, schon ist der Stuhl vor dem kleinen Schemel wieder besetzt.
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