Reise- und Urlaubsartikel

Mitternacht auf der Halbinsel Yucatán

 

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Die alte Maya-Stadt Mérida gilt touristisch als Tor zur Welt der Maya (Puerta al Mundo Maya). Die verträumt wirkende ehemalige Kolonialstadt auf der Halbinsel Yucatán scheint schlafen zugehen. Die letzten Gäste haben die Restaurants mit meist typisch yucatekischer, aber auch internationaler, spanischer oder libanesischer Küche verlassen und verlaufen sich in den nächtlichen Straßen. Einige Verliebte schlendern noch durch die Straßen. Ein Taxifahrer kurvt auf der Suche nach Kunden um die Häuserblocks der schönen Kolonialbauten. Nichts deutet darauf hin, dass auch in Mérida — wegen seiner prachtvollen Straßen und weißen Häuser auch das Paris von Mexiko genannt — die Nacht nicht allein zum Schlafen da ist.

Ohne den Tipp unseres Busfahrers hätten wir die alte Holztür, von der die Farbe abblättert und über der nur ein unbeleuchtetes, verwittertes Reklameschild hängt, kaum gefunden. Die Augen müssen sich erst an die Dunkelheit im Innern der Bar gewöhnen. Schwache Glühbirnen hinter roten Schirmen spenden ein schummriges Licht. Die gepolsterten Bänke aus mexikanischem Massivholz entlang der rosa getünchten Wand sind unbesetzt.

Gesang und Gitarrenklänge locken in einen zweiten Raum. Im Halbdunkel sitzen etwa zwei Dutzend Mexikaner, allein oder als Pärchen, an kleinen Tischen bei einem Glas Tequila oder Wasser. Über ihnen, an der Wand unter der Holzdecke, hängen vergilbte Fotografien von Gitarrenspielern. Hinten rechts, in der Ecke, auf einem kleinen Podest, greifen drei Männer in die Saiten, schluchzen melancholische Lieder von Vaterland und Liebe. Nach jedem Stück spendet die Zuhörerschar Applaus. Vor jedem neuen Lied entwickelt sich ein reges Zwiegespräch zwischen Musikern und Publikum.

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