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Reiseinbericht: Urlaub auf Virgin Islands

 

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Christoph Kolumbus gab der Insel Virgin Gorda 1493 ihren Namen. Die leuchtenden Farben der Häuser auf den British Virgin Islands brachte er allerdings nicht mit. Doch was ist eigentlich britisch hier? Nicht viel. Gut, man fährt links, Schulkinder tragen Uniformen wie im Königreich, die Queen erlaubte sich zwei Besuche und Lady Di erholte sich auf Tortola.

Früher haben die Einwohner Pelikanfleisch gegessen. Heute macht das kein Mensch mehr. Heute gibt es Touristen und die wollen lebende Pelikane sehen. Die Riesenschnäbel fliegen überall herum, selbst in Road Town, dem Hauptort von Tortola. Wer die Virgins besucht, will Freibeuterluft schnuppern. Nach Kolumbus kamen viele Ganoven auf die Inseln, um spanische Handelsschiffe zu überfallen. Mit der Piraterie wird heute noch geworben, aber auch Segler ohne Totenkopfflagge betrachten die kleine Inselwelt als Paradies.

Fast immer weht eine frische Brise, was das Inselhüpfen zum Genuss macht. Eine Fähre bringt uns in 30 Minuten zur kleineren Nachbarinsel Virgin Gorda – der dicken Jungfrau. Die Insel ist traumhaft schön. In der Bucht The Baths ist das Wasser glasklar und der Strand feinsandig. So wenig die British Virgin Islands an das Vereinigte Königreich erinnern, so unvermittelt wähnt man sich auf den benachbarten US Virgin Islands in Disneyland. Mit der Fähre sind es 45 Minuten von West End auf Tortola bis zur Insel St. Thomas. Kaum ausgestiegen, versinkt man im Trubel. Kreuzfahrtschiffe im Hafen, Verkehrsgetümmel auf den Straßen, große Einkaufszentren. Menschen, Menschen, Menschen.

Jede der drei Hauptinseln unter US-amerikanischer Flagge hat ihren speziellen Charme: St. John ist die Naturinsel, St. Croix die ruhige und besagtes St. Thomas die lebendige. Charlotte Amalie, die 1666 gegründete Hauptstadt, ist nach einer dänischen Königin benannt. Die Dänen haben weitere Spuren hinterlassen. Holzhäuser wie am Kattegat säumen die Gassen des Orts. Für 25 Millionen Dollar in Gold kauften die Amerikaner 1917 dieses Inselreich von den Dänen. Der Verkehr erinnert mitunter an Manhattan Downtown zur Rush Hour. Luxusläden säumen die Main Street, in der auch das Geburtshaus des Malers Camille Pissarro zu besichtigen ist.

Auf den US Virgin Islands ist alles möglich, im Wasser sowieso. „Yellow Submarine” von den Beatles summt mir durch den Kopf, als ich das kleine U-Boot „Atlantis” besteige. Langsam geht es hinab bis auf 25 Meter Tiefe. „Haie, Haie!”, rufen die Kinder an Bord. Alle schauen durch die Bullaugen. Die drei kleinen Haie ignorieren uns. Dann setzen wir kurz auf dem Meeresboden auf. Jetzt bin ich also auch U-Boot-Fahrer. Seeleute gehen gern gut essen und im „Blue Moon Cafe” ist das Steak genau richtig. Landleguane kriechen durch den Garten. Teilweise sitzen sie unter den Tischen. Futterneid gibt's nicht, die Echsen sind Vegetarier.

Kaum eine Stunde über Wasser, zieht es mich schon wieder in die Korallenriffe. Auf St. Thomas ist selbst Unterwasserwandern alias Sea Trekking möglich. Im Norden der Insel, direkt neben dem Schnorchlerparadies Coki Beach, befindet sich die Anlage von Coral World. Nach einer kurzen Einführung steige ich die Leiter hinab auf den Meeresboden. Da stehe ich nun in sieben Meter Tiefe, nur per Luftschlauch mit der Welt dort oben verbunden. Die Frisur hält, der Kopf steckt trocken im Helm. Wie ein Astronaut schwanke ich auf unsicheren Beinen, versuche die Führungskette zu greifen, überlege, warum mein Vordermann in die Knie geht, und merke ziemlich spät, dass vor meinen Augen in kürzester Entfernung ein ausgewachsener Barrakuda schwimmt. Eine unheimliche Begegnung. Wir blicken uns an und zumindest mir stockt der Atem. Zum Glück schwimmt der Raubfisch weiter. Den Barrakuda kennt man im Team. Er wird zeitweise gefüttert und gilt als freundlich. Das alles erfahre ich aber erst später. Endlich hole ich wieder Luft. Schwärme von Fischen schwimmen um uns herum. Unser Guide zeigt uns eine Seegurke. Wir wandern um Korallen herum, bestaunen einen Seeigel und auch der zahme Barrakuda lässt sich nochmals blicken. Aber jetzt kennen wir uns ja schon. 20 Minuten später steige ich die Leiter nach oben.

Rund zwei Drittel der Inselfläche von St. John sind Nationalpark, an dessen Rand Bilderbuchstrände wie Hawks Nest Bay oder Trunk Bay zu entdecken sind. Übrigens haben auch viele Pflanzen hier lustige Namen. Vom roten Stamm des Terpentinbaums flattern weiße Rindenfladen herunter. Wie der Sonnenbrand weißer Kreuzfahrer sieht das aus, darum heißt das Gewächs auch Tourist Tree. In der Nähe zeugt das Ruinengelände Annaberg Point von der Sklavenzeit und den großen Zuckerrohrplantagen, die die Insel zu Anfang des 19. Jahrhunderts geprägt haben.

Nur im Hafen von Cruz Bay findet man auf der tropisch grünen Insel von gerade mal 50 Quadratkilometern etwas karibisches Leben. Das Geschäft der Boutiquen, Shops, Cafes und Juweliere läuft gut, denn regelmäßige Fähren bringen immer wieder Touristen von St. Thomas herüber. Irgendwo auf der Rückfahrt überquert das Schiff dann die Grenze zwischen Karibischer See und Atlantik. Der Ozean empfängt uns mit hohen Wellen. Dann heißt es „cool bleiben". Wie eigentlich immer und überall in der Karibik.


 
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