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Reiseinbericht: St. Vincent & The Grenadines

 

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Alejandro macht es spannend: "Wir laufen nicht nur Happy Island an, sondern auch einige andere glückliche Inseln." Der 37-jährige Skipper mit athletischer V-Figur lacht. "Auf unseren Inseln haben die Einwohner noch keine Dollar-Zeichen in den Augen".

Die Ziele der in Deutschland gebauten Bavaria-Segeljacht mit dem verführerischen Namen "My Mistress" sind die südlichen der 33 Inseln des seit 1979 unabhängigen Karibikstaats St. Vincent & The Grenadines. Auf 100.000 Einwohner kommen zwar pro Jahr auch 100.000 Segler - und dennoch: Auf 400 Quadratkilometern Fläche ist Platz für alle.

Der Wind bläht die Segel, und die 15-Meter-Jacht schneidet ihren Bug ins tiefblaue Wasser. St. Vincent bleibt steuerbord liegen. Mopion heißt das unbewachsene Sandgebilde, das sich sogar bewegen kann: Ein einzelner Sonnenschirm zeigt an, wie sich der Sand verschiebt. Eine Filmcrew, die auf Mopion einen Werbespot drehte, hatte ihre liebe Müh und Not, denn der Dreh dauerte drei Tage, und an jedem Tag sah die Sandbank in ihrer Form komplett anders aus.

"Kämpfe nicht mit der Jacht", empfiehlt Alejandro nach Garnelen-Sandwich mit Mango. "Gehe sanft und streng zugleich mit ihr um - wie mit einer Frau". Macho Alejandro spürt die strafenden Blicke der weiblichen Gäste und lenkt charmant ein: "Ich hab' doch nur Spaß gemacht!" Der Wind klatscht ins Segeltuch, die leichte Brise hat aufgefrischt, und Alejandro deutet auf sein T-Shirt mit dem Motto: "Segle mehr, arbeite weniger".

Vor sechs Jahren posierten auf Happy Island vier Segler für ein Foto freudestrahlend mit einem SOS-Schild, das sie in die Höhe hielten. Der Umweltbeauftragte von der Nachbarinsel Union, Janti Ramagi, wiederum hatte eine Aufgabe: Er sollte die Berge von gegessenen Conch-Muscheln beseitigen, die sich an den Stränden von Union auftürmten. Janti erinnerte sich an das Bild und baute aus drei Tonnen Conch-Muscheln ein kleines Lokal auf die Sandbank, in dem heutzutage fast alle Jachties, die in der Gegend segeln, auf einen Rumpunsch oder einen Snack vorbeikommen. Rasta Janti lebt und liebt inzwischen auf seiner Glücksinsel, raucht Marihuana wie andere Zigaretten und sagt: "Happy Island ist gebaut aus Muscheln, Muskeln und Intelligenz". Einer der Segler bot ihm mal eine Million US-Dollar für seine Insel, aber wer verkauft schon sein eigenes Paradies?

Auch die Salt Whistle Bay von Mayreau Island ist ein kleines Paradies, zumindest einer der besten Ankerplätze der Region. Sobald eine Jacht ins weite Rund der Bucht einläuft und die Ankerkette auf den Boden rasselt, taucht Mr. Bushman auf: "Hummer gefällig? Klein oder groß?" In der Hand zappelt ein Schalentier, im Rumpf des Kahns krabbeln weitere Lobster. "Ok, 30 karibische Dollar pro Stück, gegrillt und mit Knoblauchbutter serviert. Ist acht Uhr ok?" Bushman verkauft seine Hummer nicht nur wie seine Kollegen in anderen Ankerbuchten, sondern er bereitet sie wunschgemäß zu. Das - so sagen sogar erfahrene Jachties - ist einmalig weltweit. Dazu ein kühler Weißer, das leichte Schaukeln des Bootes und die Sterne am Himmel...

Die Felder der einstigen Baumwollinsel Mayreau werfen nichts mehr ab. Dafür sichert der Careenage Beach an der Ostküste einigen Einwohnern ein geregeltes Einkommen. Am Careenage Beach treibt die immer gleiche Strömung kostbares Strandgut an: Dingis, Kanus oder Surfbretter und alles, was auf den nahen Tobago Cays nicht richtig festgemacht wurde. Der eine oder andere Hobbysegler hat sein verlorenes Dingi in Mayreau wieder erstehen können. Ein Schelm, der glaubt, dass an so manchem Dingi nachts der Knoten etwas gelockert wird...

Der Sprung ins Meer am Morgen ist wie ein Sprung ins Glück. Und trotzdem gibt's noch eine Steigerung: das Schwimmen mit Schildkröten in der hellblauen Lagune der Tobago Cays. Sie ist das Wohnzimmer der Tiere, die Strände dienen als Kinderstube: Im warmen Sand vergraben die Schildkröten bis heute ihre Eier. Nicht nur deshalb sind die Tobago Cays ein Nationalpark: Die Gruppe von vier kleinen unbewohnten Inseln ist durch das hufeisenförmige Horse Shoe Reef geschützt. Und das außerhalb des Riffs gelegene Petit Tabac hat sogar Hollywood entdeckt: Bösewicht Barbossa setzt in "Fluch der Karibik" den von Johnny Depp gespielten Captain Spar row und die hübsche Elisabeth auf Petit Tabac aus. Alejandro hatte Recht: In den Grenadinen gibt's nicht nur ein Happy Island.


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