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Wanderung durch die südtunesische Wüste

 

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Das Wüstenwandern im südlichen Tunesien ist alles andere als eine Trans-Sahara-Tour in Schaftstiefeln, es ist vielmehr das wohldosierte Durchqueren von geröllübersäten Flusstälern und zackigen, sich endlos windenden Schluchten, umstanden von imposanten Relikten erdgeschichtlicher Urgewalt in einer — allen Klischees zum Trotze — vielgestaltigen Landschaft.

Die vielleicht eindrucksvollste Wüstentour führt 18 Kilometer durch die Seldja-Schlucht (nahe der Oasenstadt Tamerza), sommers wie winters ein intensives Naturerlebnis: Im Dezember, wenn die Wüstensonne nach bitterkalter Nacht später als der Mensch aufsteht und die Feuchte des Taus auf den Blütenzipfeln der dörrigen Pflanzen glitzert, oder im Juni, wenn die Hänge aus wildem Thymian und Lavendel aromatisch wie ein provencalischer Kräutergarten duften, Schmetterlinge kreisen und sich Frösche gewichtig aufblasen.

Doch auch Menschen haben Hand an die Seldja-Schlucht mit ihren canyonartigen Durchbrüchen und ihren fast himmelhohen Steilwänden gelegt. Das Mineral Phosphat wird dort industriell abgebaut. Mit einer Bergwerksbahn wird es aus dem Fels geholt und auf halsbrecherischen Gleisen durch viele Tunnel der Weiterverarbeitung zugeführt.

Einer Cowboy-Landschaft kommt das Panorama gleich, monumentale Einsamkeit mit entferntem Büchsengeklapper, wenn Minenarbeiter ihr Mittagssüppchen löffeln. Ein schlammig-brauner, glitschiger Bach umspült als Knöchel hohes schmuddeliges Rinnsal die Füße. Er muss dutzendfach überquert werden, will man der Schlucht bis zu ihrem Ende folgen. Wenn Regen fällt — was in den Wüstenrandzonen häufig der Fall ist — dann wird daraus eine meterhohe Sturzflut, die Vegetation und Geröll Gefahren bringend mit sich reißt und seit Jahrtausenden landschaftsprägend in den Naturhaushalt eingreift.

Der Aufenthalt im Wüstenrandland Tunesien spielt sich zwar immer noch weit mehr in den küstennahen Regionen als im weitläufigen Süden ab. Doch der gewinnt dank des internationalen Flughafens von Tozeur zunehmend Bedeutung für den Wintertourismus, ein Gewinn besonders für Oasenorte wie Nefta, Tamerza oder Chebika, quicklebendiger Ausgangspunkt für Tagestrips zum großen Salzsee Schott el Djerid.

Doch das wirklich unbekannte Tunesien liegt woanders, liegt dort, wo sich die Kornkammer des römischen Reiches befand und dort, wo Olivenbäume, millionenfach angepflanzt, die Wirtschaftsinteressen des Imperiums nach Nordafrika hineinlenkten.

Beiläufiges, doch markantes äußeres Kennzeichen für diese Region voller bukolischen Charmes sind die ausladenden Storchennester, die in mindestens jedem zweiten Dorf auf dem Moschee-Turm thronen, als wollten sie den Menschen Glück und Frieden bringen.

Das mediterrane, das fruchtbare mittlere Tunesien (zwischen El Kef und Siliana dank mittelprächtiger Hotellerie touristisch nur unzureichend erschlossen) ist eine weitschweifige Augenweide, durch die sich unbeschwert gehen lässt. Blühende Wildblumenwiesen, horizontweite Klatschmohnfelder, reifender Weizen, menschenleer, fast schon verwunschen in seiner friedlichen Ruhe. Im Stundenabstand trifft man Ziegenhirten, am Wegesrand unbelebte Gehöfte, abgeknickte Strommasten. Dann und wann qualmende Ofen, die Tagesration Brot wird gebacken. Rauchwolken schlängeln sich hoch zu den unablässig kreisenden Lerchen. Hitze und Insekten flirren, Eidechsen und Schildkröten verkriechen sich in Erdspalten. Vergessene römische Ruinen, die es hier in Vielzahl gibt, laden zur Rast ein.

Wer sich auf den Spuren des großen Landessohnes Hannibal bewegt, der sollte auch das Bergwandern im Norden (etwa in Ain Draham, Teboursouk oder Zaghouane — alles Orte mit gepflegter Gastronomie in der Region von Tabarka) auskosten und durch die Wälder der Kroumirie streifen, wenn der Morgendunst über den Korkeichen steht, das Tageslicht noch mild und weich ist und wo es ein Vergnügen ist, die Blicke über verkarstete Höhenzüge streifen zu lassen, über denen Adler und Falken Beute suchend schweben.


 
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