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Zu den eindrucksvollsten Landschaften von Marokko gehört die
tiefschwarze Steinwüste in der Nähe der Oase Merzouga. An die Sandwüste
angrenzend stehen die schwarzen Steinflächen in einem einzigartigen Farbkontrast
zu dem goldgelben Sand der hohen Dünen. Die kleinen Steine, die sich zu einem
mosaikartigen Gesteinspflaster zusammenfügen, sehen aus, als seien sie mit
glänzendem schwarzem Lack überzogen. Dieses Phänomen, es wird als Wüstenlack
bezeichnet, ist typisch für alle Wüstenregionen der Erde.
Blickt man bei schräg stehender Sonne gegen das Licht über
die schwarze Oberfläche der Stein-wüste, so erlebt man ein einzigartiges
Schauspiel. Die hochglanzpolierte Oberfläche der unebenen Steine reflektiert das
helle Sonnenlicht milliardenfach. Bis zum Horizont scheint die Wüste aus
unzähligen, hell blitzenden Silberplättchen zu bestehen. Die abweisende,
lebensfeindliche Stein-wüste wird dadurch für einen Moment zu einem Meer, dessen
Oberfläche in der Nachmittagssonne in ein gleißendes, silbernes Glitzern
getaucht ist.
Der Vergleich der mit einer Lackschicht überzogenen Steine
ist sehr treffend. Wenn man nämlich einen Stein aus dem schwarzen Mosaik
herausnimmt, so entsteht in der Oberfläche des Mosaiks eine helle Lücke, da nur
die unmittelbar an der Oberfläche liegenden Steine dunkel gefärbt sind.
Noch zutreffender ist der Lackvergleich, wenn man die
schwarzen Steine mit dem Hammer zerschlägt. An den Bruchstellen erkennt man,
dass sie nur außen schwarz sind. Ihr Inneres dagegen ist hell, oft sogar fast
weiß. Die dünne, lackartige Kruste besteht aus roten Eisenoxyden und schwarzen
Manganoxyden. Diese Metalloxyde — chemische Verbindungen des Eisens und des
Mangans mit dem Luftsauerstoff — werden aus dem Gestein, in dem sie, fein
verteilt, enthalten sind, herausgezogen und an der Gesteinsoberfläche
abgelagert. Das geschieht durch Verwitterungsvorgänge, hauptsächlich aber durch
die Tätigkeit mikroskopisch kleiner Organismen wie Algen, Bakterien und Pilze,
die das Gestein besiedeln.
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Aufgrund der schwarzen Färbung erhöhen sich die
Bodentemperaturen während der Sommermonate auf die höchsten Werte, die auf der
Erde durch Sonneneinstrahlung erreicht werden können. Über 80 Grad Celsius
Oberflächentemperatur habe ich im Sommer gemessen. Die Steine sind so heiß, dass
man sich die Finger an ihnen verbrennt, wenn man sie berührt. Die extremen
Temperaturen sind der Grund, dass die schwarze Wüste zu den lebensfeindlichsten
Landschaften der Erde gehört.
Trotzdem lebt hier ein Insekt: die Manganheuschrecke. Ihre
farbliche Anpassung an diesen extremen Lebensraum ist vollkommen. Man könnte
meinen, das Tier sei ebenfalls mit einer schwarzen Manganoxydkruste überzogen.
Auch seine eckigen Körperformen entsprechen weitgehend der Form der schwarzen,
kantigen Steine.
Die im Laufe langer Zeiträume erworbene Übereinstimmung des Tieres in Form und
Farbe mit seiner Umwelt, die als perfekte Tarntracht anzusehen ist, geht so
weit, dass selbst die feine Oberflächen-Erosion des Gesteins ein Abbild auf der
Körperoberfläche der Heuschrecke gefunden hat.
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Wovon die flugunfähigen
Manganheuschrecken sich ernähren und wie sie die mörderischen
Temperaturen des Sommers überleben, ist bis heute völlig unerforscht. |
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