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Phosphat-Plateau bei Khourigba und Youssoufia

 

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Phosphat – auf den ersten Blick ein Rohstoff ohne Reizcharakter – nimmt für das Königreich Marokko eine wirtschaftspolitische Bedeutung ein, die der des Öls in den arabischen Nachbarstaaten kaum nachsteht. Unter dem 800 Meter hohen Phosphat-Plateau bei Khourigba und bei Youssoufia lagert die Hälfte aller bekannten Reserven des weißen Minerals, ohne das die Düngemittelindustrie nicht auskommt – eine Branche also, deren Boom angesichts des Hungers in der Dritten Welt auch in weiter Zukunft nicht abreißen wird. So baut denn König Mohammed VI. die Zukunft seines Landes und seine Politik gegen andere Länder auf Phosphat.

In der Geschichte der arabischen und nordafrikanischen Länder gab es zwei entscheidende Ereignisse: die Geburt des Propheten Mohammed und die Entdeckung des Erdöls. Vor einiger Zeit hat sich nun offensichtlich ein drittes Ereignis von Bedeutung zugetragen: die Entdeckung, dass man mit Öl Politik machen kann, Politik gegen die Großen und Mächtigen dieser Welt.

Dem Königreich Marokko hat Allah zwar kein Öl beschert. Doch in der Hauptstadt Rabat hört man stets: "Unser Erdöl heißt Phosphat!" Diese Parallele ist alles andere als abenteuerlich. Ein Blick auf die Entwicklung der Phosphatpreise genügt, um den Vergleich zu verstehen. Bis 1973 war Phosphat einer von vielen billigen Rohstoffen, die Tonne kostete jahrzehntelang etwa 14 Dollar. Doch gleichsam über Nacht verteuerten die Marokkaner ihr "weißes Erdöl" um 200 Prozent. Die Nachfrage stieg indes unbeirrt weiter, und im Frühjahr 1975 war der Phosphatpreis bei 68 Dollar pro Tonne angelangt. Eine Teuerung von fast 400 Prozent in nicht einmal zwei Jahren — das ist ebensoviel, wie die Ölherren in Nordafrika und am Persischen Golf durchsetzen konnten. Dabei betrieb Marokko seine Politik im Alleingang. Die anderen Exporteure von Phosphat (wie Tunesien, Togo, Senegal, Spanien, aber auch die USA) schlossen sich allerdings gern an und dachten nicht daran, die marokkanischen Preise zu unterbieten: Sie wussten, dass es trotz hoher Preise vorerst keinen Ersatz für Phosphat gibt. Heute (2008) liegt der Preis für eine Tonne Rohphosphat bei ca. 300 Dollar.

Vor allem die Düngemittelindustrie kann auf den Rohstoff Phosphat nicht verzichten. Sie verbraucht allein über 80 Prozent der Weltproduktion. Der Rest wird zu Futtermittel und Reinigungsmittel verarbeitet. Über ein Drittel der Phosphatförderung ist amerikanisch, ein Viertel russisch. Doch die Preise macht Marokko, obwohl es nur 20 Prozent des Weltbedarfs liefert. Der Grund: Die USA und Russland verbrauchen von ihrer Produktion das meiste selber.

Diese Exportlücke füllt Marokko, heute mit 29 Millionen Tonnen im Jahr aus. Die Amerikaner verkaufen nur halb soviel Phosphat ins Ausland, und die Russen werden wohl bald zum Import übergehen müssen. Zudem kommt der marokkanischen Produktion zugute, dass das zwischen Rabat und Agadir im Tagebau und in Bergwerken abgebaute Gestein von überdurchschnittlicher Reinheit ist. Und auf marrokanischem Territorium befindet sich mindestens die Hälfte aller in der Welt bekannten Reserven.

Was lag für König Mohammed VI. und seine Wirtschaftsplaner näher, als die Zukunft des Landes weitgehend auf Phosphat zu bauen. Marokkos Politik läuft darauf hinaus, die immer teurer werdenden Investitionsgüter aus dem Ausland mit immer teureren Rohstoffen zu bezahlen. Es handelt sich nicht einfach um einen spekulativen Preis, der ein Ungleichgewicht am Markt korrigiert, sondern um einen gewissermaßen politischen Preis, der von den Bedingungen der nationalen Entwicklungspläne diskutiert wird. Seit Beginn der sechziger Jahre gibt es Ansätze, die verarbeitende Industrie auszubauen. Die zunehmende Verarbeitung der Rohphosphate in der eigenen Düngemittel- und Chemieindustrie steigert den Ausfuhrwert.

 

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