Reise- und Urlaubsartikel

Korallenriffe im Wüstensand

 

Startseite

Allgemein
Reiseplanung
Reiseberichte

Afrika

Amerika

Asien

Europa

Sonstige

 

In der nordwestlichen Sahara, östlich der marokkanischen Piste von Erfoud nach Merzouga, in schwer erreichbarer Gegend, erhebt sich ein ausgedehntes, atollähnliches, tropisches Korallenriff fast 100 Meter über sonnendurchglühter Steinwüste. Es ist ein fossiles, ein versteinertes Korallenriff, das von seinen Baumeistern, Myriaden winziger, Kalk abscheidender Korallenpolypen, vor ungefähr 400 Millionen Jahren unter der Wasserbedeckung eines tropischen Meeres erbaut wurde.

Das Korallenriff gliedert sich in ein halbes Dutzend einzelner 80 Meter hoher Riffkegel. Die Oberfläche der braunen Stein- und Felswüste — inmitten der sich die hellgrauen Korallenriffkegel erheben — ist der ebenfalls versteinerte, ehemals schlammige und sandige Grund des alten Meeres.

Das ist der Grund, weshalb die Steinwüste in diesem Teil der Sahara mit den Überresten Aber-tausender versteinerter Meereslebewesen geradezu übersät ist. Meerestieren, die einst den offenen Ozean in der Umgebung der Korallenriffe bevölkerten. Durch diese Versteinerungen, besonders durch die großen, spiralförmig aufgewundenen, verschiedenfarbigen Gehäuse der Goniatiten und der lang gestreckten, geradlinigen Orthoceren, beides entfernte Vorfahren der heutigen Tintenfische, die eingeschlossen in den Felsplatten der Steinwüste von dem Sandstrahlgebläse des Wüstenwindes poliert sind, wird dieser Teil der Wüste zu einer der schönsten Regionen der Sahara.

Die für den Laien sicherlich erstaunliche Tatsache, dass es sich ausgerechnet bei einer Stein- und Felswüste innerhalb der trockensten Region der Erde, der Sahara, um im Laufe langer erdgeschichtlicher Zeiträume zu Gestein verfestigten Meeresboden handelt, ist keinesfalls eine Ausnahme. Mehr als ein Drittel der riesigen Oberfläche der Sahara besteht aus Meeresablagerungen, aus den verschiedensten Perioden der Erdgeschichte.

Die Erdkruste, die wir normalerweise als festen unverrückbaren Untergrund aller unserer Tätigkeiten ansehen, ist in Wirklichkeit in ständiger Bewegung. Die immer wieder in unregelmäßigen Abständen erfolgenden Meldungen über Erdbebenkatastrophen erinnern uns ständig daran, dass wir eben nur die Oberfläche einer dünnen, steinernen Haut bewohnen, die eine riesige, glutflüssige Kugel bedeckt. Durch Kräfte, die ihren Ursprung in diesem glutflüssigen Innern unseres Planeten haben, kam es im Verlauf der langen Erdgeschichte immer wieder vor, dass die erkaltete Erdkruste in zahlreiche Einzelschollen zerbrach. Während einige Teile der Kontinente dabei emporgehoben und verfaltet wurden, sanken andere Bereiche zeitweilig ab und wurden dadurch für viele Millionen Jahre vom Meer überflutet.

Riesige Gebiete der heutigen Sahararegion sind im Verlauf der Erdgeschichte bis zu achtmal abgesunken und vom Meer bedeckt gewesen. Die versteinerungsfähigen Teile der in den Meeren existierenden Lebewesen, Skelette, Schalen und Panzer lagerten sich zusammen mit Sand- und Schuttmassen, die von Winden und Flüssen von den Kontinenten abtransportiert wurden, auf dem Meeresgrunde ab und bildeten im Laufe einer Meeresbedeckung mehrere hundert Meter dicke Sedimentablagerungen.

Die gleichen Bewegungskräfte, die wiederholt zum Absinken großer Teile Nordafrikas geführt hatten, bewirkten eines Tages auch ihr allmähliches Wiederaufsteigen. Bei diesem Vorgang zerbrachen die inzwischen zu Gestein verfestigten Meeressedimente, die sich Schicht für Schicht auf Flächen von Zehntausenden von Quadratkilometern horizontal übereinander abgelagert hatten, in zahlreiche riesige Sedimentblöcke, die außerdem durch die Bewegungskräfte bei ihrer Heraushebung — vergleichbar arktischem Packeis — verkippt und verschoben wurden. Das Meer wich langsam zurück. Aus Meeresboden wurde Wüstenboden.

Reiseberichte: Marokko
Reiseartikel schreiben

Sitemap  |  Reisebericht schreiben  |  Impressum