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Der Bus fährt durch die morgendunkle Hafenstadt Mombasa, die Straßen glänzen
nass vom nächtlichen Regen, die Läden sind noch geschlossen. Menschen hasten zu
Fuß oder mit dem Fahrrad durch die beginnende Dämmerung. Unter den regenschweren
Wolken wirkt die Millionenstadt noch trister und grauer als sonst. Die
Passagiere im Bus haben kaum einen Blick für die Szenerie da draußen, in ihren
Augen ist noch die Müdigkeit einer zu kurzen Nacht. Ihre Gedanken aber sind
bereits auf der Safari, zu der sie an diesem frühen Morgen aufgebrochen sind.
Kameras, Ferngläser, Filme sind schon bereit. Einige der Mitreisenden sind auch
sonst so ausgerüstet, wie sie es in Filmen über Afrika gesehen haben,
"Safari-Look".
Den "Ausguck" vorn im Bus hält eine resolute Blondine, mit großem Hut, besetzt.
"Manfred", klingt ihre warnende Stimme, wenn sie durch ihr Fernglas etwas
erspäht zu haben glaubt, was des Fotografierens oder Filmens würdig ist. Und
Manfred kramt wie besessen in seinem umfangreichen Fotokoffer. Doch bald hat man
keine Augen und Ohren für die Mitreisenden. Die gewaltige Szenerie der
Landschaft nimmt gefangen. Rötlicher Sand bedeckt die Steppe, die bis zum in der
Hitze flirrenden Horizont reicht, hin und wieder begrenzt von bläulich
schimmernden Bergen. Der Bus stoppt, der Fahrer stellt den Motor ab, und
plötzlich spürt man die Faszination der Wildnis bis in die Fingerspitzen. Die
Stille ist majestätisch, und dann zieht die Karawane vorbei: Elefanten, Gnus,
Zebras, Gazellen, Giraffen, Büffel, Wasserböcke, Strauße, Warzenschweine, Geier,
der gesammelte Grzimek, in Lebensgröße und bequem zu fotografierender Nähe.
Niemand kann sich dem wilden Reiz dieser Bilder entziehen, die wie gestellt
erscheinen, aber doch so natürlich sind. Es kommt vor, dass einige Touristen im
Bus sogar das Fotografieren vergessen, der Augenblick ist zu überwältigend, um
ihn festzuhalten.
Nach gut zwei Stunden eine Pause in einer kleinen Lodge am Rande eines Sees. Auf
Plastikstühlen strecken die Gäste die Beine aus. Die Fahrer der verschiedenen
Busse sitzen zusammen an einem Tisch, tauschen ihre Erfahrungen aus. Die
Stimmung ist gedämpft, kein lautes Reden als wüssten die Menschen instinktiv,
dass sie in dieser Region nur geduldet sind. Hier in der Nähe soll es Löwen
geben, die müssen aufs Foto, die muss man gesehen haben, sonst ist eine Safari
nur halb soviel wert.
Die Busse setzen sich vorsichtig wieder in Bewegung, wie auf einer Pirsch. Das
Zauberwort "Simba" (Löwe) schürt die Spannung. Und dann, in der Tat: Unter einem
riesigen Baobab lagert ein Rudel der königlichen Tiere, träge blinzeln sie in
die Sonne und in die Objektive der Kameras. Mittagessen in einer der
landschaftlich wunderschön gelegenen Lodges, die ein komfortables Refugium
mitten in der Wildnis bilden. Ein üppiges Büffet, livrierte Kellner bringen die
Getränke. Aber der Zauber erschließt sich einige Schritte weiter. Die Lodge
liegt auf einem Hügel oberhalb einer Wasserstelle. Man sitzt im warmen Gras und
hat den freien Blick auf eine Schöpfung, die sich seit Erschaffung der Welt
nicht geändert hat. Geheimnisvolle Geräusche, jedes für sich erregend, witternd,
immer aufmerksam, zielstrebig nähern sich Elefanten, Büffel, Zebras der
Wasserstelle. Hier, in ihrer Landschaft, wirken die Tiere größer und irgendwie
unangreifbar.
Der Fahrer schläft im Schatten eines Baums auf dem Rasen in der Nähe seines
Busses. Der Hut liegt neben ihm, jetzt sieht er wieder so aus wie ein
städtischer Taxifahrer. Ob ihm diese Safaris Spaß machen? Er lächelt ein
bisschen zynisch: "Das ist ein guter Job, bringt Geld". Er schaut auf die Uhr
die Mittagspause ist bald vorbei. Drei Tage dauert eine Safari, die nach festem
Plan verläuft. Nach zwei Tagen, das lehrt seine Erfahrung, lässt die
Aufmerksamkeit der Passagiere ein bisschen nach, es sei denn, er liefert
Außergewöhnliches.
Safaris in Kenia haben von ihrer Anziehungskraft nichts verloren. Vor einigen
Jahren allerdings hatte es einmal eine Flaute im Geschäft gegeben. Denn die
Ausflüge in die Reservate sind nicht gerade billig. Doch inzwischen, so sagt ein
Mitarbeiter von United Touring Companie (UTC) in Nairobi, kämen wieder Leute mit
Geld ins Land. Auch die Amerikaner sind wieder da die in Kenia praktisch
ausschließlich die Begegnung mit den großen Tieren suchen.
Und für die deutschen Touristen gilt ebenfalls: Jeder, der zum ersten Mal in
diesem afrikanischen Land Urlaub macht, bucht auch eine Safari. Dabei haben die
Touristen die Wahl zwischen Tagestouren mit Bussen oder Flugzeugen, Ausflügen
von mehreren Tagen Dauer ebenfalls mit Bus und Flugzeug. Zu den interessantesten
Exkursionen gehören Reisen auf dem Landweg von Kenia ins benachbarte Tansania
mit der Serengeti und dem Krater 'Ngorongoro'. Von Mombasa aus sind auch Flüge
in ugandische Wildreservate möglich.
Der Bus ist auf dem Rückweg. Auf der letzten Strecke zum Parkausgang drückt der
Fahrer aufs Gas. Die Landschaft und die Tiere rasen vorbei wie auf einem zu
schnell ablaufenden Film. Kurz vor der Stadt die ersten Staus der Lärm des
abendlichen Straßenverkehrs, Benzingestank. Nur zwei Autostunden trennen die
Freiheit der Steppe vom Dschungel der Großstadt.
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